„Stadtbusverkehr im Koma!“ Pressemitteilung 12.12.2025

Stadtbusverkehr im Koma!

Pro Stadtbus: Rettung dringend geboten!


Pressemitteilung vom 12.12.2025


Die Fahrgast-Initiative Pro Stadtbus Osnabrück äußert große Sorge über die fortgesetzte negative Entwicklung des städtischen Busverkehrs. Massenhafte Verspätungen und Ausfälle ganzer Linienkurse machen die Busnutzung zum Lotteriespiel. 
Die Abwärtsspirale von Unzuverlässigkeit und Nachfragerückgang hat sich beschleunigt. Wer die Wahl hat, nimmt lieber sein Auto, vergrößert damit aber die Menge an PKW, in deren Stau dann Busse eine noch höhere Verspätung einfahren. 
Es rächt sich immer mehr, dass in Osnabrück seit Jahrzehnten von Busbeschleunigung nur gesprochen wurde. Tatsächlich ist kaum etwas geschehen. Gegenwärtig gibt es sogar noch weitere Verschlechterungen, wobei der geplante Ausbau der Bramscher Straße, im Fall zu schmaler Fahrbahn für die Entmischung des Verkehrs, den Busverkehr gegenüber heute zusätzlich ausbremsen wird.



Wer ein Bussystem mit möglichst hohem Kostendeckungsgrad will, muss es attraktiv und zuverlässig anbieten, sodass die sog. Verkehrsmittelwahlfreien nicht vergrämt werden und abwandern, zugleich aber neue Kunden gewonnen werden, die ihr Auto gern stehen lassen, weil sie merken, dass sie schnell und ohne Parkplatzsuche ans Ziel kommen. Wer den Bus beschleunigt und seine Wartezeiten außerhalb der Haltestellen möglichst gering hält, kann eine Linie mit geringerem Aufwand an Fahrzeugen und Personal bedienen und spart damit erhebliche Kosten. Allein dieser Aspekt müsste bei Rat und Verwaltung höchste Priorität haben - angesichts der extrem angespannten städtischen Haushaltslage.

Eine Beschränkung der Bushaltezeiten nur auf den Fahrgastwechsel und möglichst wenig
Wartezeit vor Ampeln bringt auch den ökologischen Gewinn, so dass ein Fahrzeug mit 30 bis über
60 Fahrgästen nicht unnötig abbremsen muss, also keine Energie zum erneuten Anfahren
verbraucht und keinen Bremsstaub erzeugt. Eine „elektronische Busspur“, die für den Bus eine
Grüne Welle schaltet, kommt auch ohne oder mit nur wenigen baulichen Veränderungen aus und
ist damit sehr kostengünstig umzusetzen.


Staus führen zu Lenkzeitüberschreitungen und fehlenden Akku-Ladezeiten

Seit geraumer Zeit und mit zunehmendem PKW-Aufkommen, nicht nur im Winterhalbjahr sind
die Busverspätungen so massiv geworden, dass Lenkzeiten über- und Ladezeiten für die E-
Busse unterschritten werden. Die Leitstelle lässt dann Fahrer und Fahrzeug pausieren, der
Linienkurs fällt ersatzlos aus, und das gilt auch für die Gegenrichtung. Diese Ausfälle haben
inzwischen ein Ausmaß angenommen, dass sie über den neuen WhatsApp-Kanal der
Stadtwerke erschreckend ins Auge springen. Dabei werden hier längst nicht alle Busausfälle
genannt. Am 1. Dezember wurden binnen 90 Minuten 15 Linienkurse neu als kurzfristiger Ausfall
verkündet. Auch der Hinweis, wegen der großen Zahl verspätungsbedingt gestrichener
Linienkurse sei deren konkrete Nennung gar nicht mehr möglich, ließ sich im WhatsApp-Kanal
der VOS Ende November lesen. Die Zahl der Fahrgäste, die dadurch Anschlüsse verpassen,
Termine nicht erreichen oder nicht pünktlich zur Arbeit kommen, dürfte im hohen dreistelligen
Bereich liegen - jeden Tag!
Dieser Niedergang muss dringend gestoppt werden. Die Frage ist: Kann es der Rat
verantworten, dass Osnabrücks hochmoderne und hochgelobte Busflotte einen Großteil ihrer
möglichen Einsatzzeiten schlicht nicht fährt, weil sie von der Leitstelle aus dem Verkehr gezogen
werden muss?

Ampel Lyrastraße: Stellschraube für die Beschleunigung von 17 Buslinien

An einer konkreten Stelle sieht Pro Stadtbus Osnabrück eine kurzfristig umzusetzende und breit
wirkende Handlungsmöglichkeiten: An der Kreuzung Neuer Graben/Lyrastraße ist die
Ampelschaltung Richtung Schloss in einen Zustand (zurück) zu versetzen, wie er vor Monaten
noch bestand und der dem Verkehr Richtung Schloss mehr als 20 Sekunden Grün bot. Da es
aus Richtung Berliner Platz wesentlich längere Grünphasen zur Einfahrt in diesen
Straßenabschnitt gibt, an der Lyrastaße aber weniger als die halbe Menge der einfahrenden
Fahrzeuge abfließen kann, muss es zwangsläufig zu einem Stau kommen, von dem mehr als ein
Dutzend Buslinien betroffen sind, die mit im Stau stehen. Dazu gehören die Linien M1, M2, M4,
M5, S10, 10, 15, 16, 18, 19, die Regiolinien Richtung Hasbergen und Richtung Wallenhorst,
weitere nach Fürstenau und Damme.
Eine Verlängerung der Busspur auch auf den letzten zehn Metern Richtung Schloss bis zur
Kreuzung Lyrastraße würde PKW und Busverkehr entzerren und die Verspätungszeiten
erheblich reduzieren. Nach Erfahrungen von Mitgliedern der Fahrgast-Initiative Pro Stadtbus
Osnabrück beträgt die Fahrzeit der Busse von der Haltestelle Neumarkt bis zur nächsten vor
dem Schloss bzw. am Adolf-Reichwein-Platz in der Regel mindestens fünf Minuten, oft auch
zehn. Fahrplanmäßig sind eine bzw. zwei Minuten vorgesehen.
Auch eine Veränderung der Fahrspuraufteilung vor der Lyrastraße könnte zu Verbesserungen
führen.

Verkehrswende gelingt nur mit allen drei Elementen des Umweltverbundes

Pro Stadtbus Osnabrück sieht das Gelingen einer politisch oft erklärten Verkehrswende in einer
gleichberechtigten Förderung aller Elemente des Umweltverbundes. Die Förderung des
Radverkehrs allein führt in eine Sackgasse. Zu Fuß gehen, Rad fahren und der ÖPNV bilden
eine Einheit, die erst im Zusammenspiel eine Verkehrswende möglich macht. Die erste und
letzte Meile zur und von der Haltestelle wird im Allgemeinen zu Fuß zurückgelegt, und im Winter
und bei schlechtem Wetter ist der Bus der Regenschirm für viele Radler. Diesen funktionalen
Zusammenhängen muss die Politik Rechnung tragen. Beim desolaten Busangebot ist der freie
Fall darum unverzüglich zu stoppen.
Wann wachen die Verantwortlichen endlich auf und treffen kurzfristig pragmatische
Entscheidungen?

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